Die künstliche Intelligenz von Myth

Ein kooperatives Spiel muss sich gegen die Spieler behaupten können. Myth ist ein Figurenspiel und das macht die Steuerung schwieriger. Mit Hilfe mehrerer Komponenten übernimmt das Spiel die Aktionen der Dunkelheit und erinnert dabei sehr an die Techniken, die aus Computerspielen bekannt sind.

Die AP-Skala auf dem Dunkelheitsbrett

In Myth ist die Spielerzahl nicht fest gelegt. Myth ist für 2-5 Spieler gleichermaßen geeignet. Die Herausforderung muss daher skalierbar sein, damit der Spielspaß nicht von der Spielerzanzahl beeinflusst wird. Es gäbe die Möglichkeit die Stärke der Gegner anzupassen. Diesen Weg sind die Erfinder allerdings nicht gegangen. Stattdessen ist die Skalierung Teil der Eigensteuerung des Spiels geworden. Auf dem Dunkelheitsbrett gibt es eine Skala von (0)1 bis 6. Diese stellt die Aktivität oder auch Aggressivität der Helden mit sogenannten Aktivitätspunkten dar. Alle bisherigen Karten mit denen die Spieler die Aktionen ihrer Helden steuern, haben 0 bis 2 Aktivitätspunkte. Sollte eine Karte ausgespielt werden, werden ihre Aktivitätspunkt auf der Skala entsprechend nach oben gezählt. Erreicht oder überschreitet die Skala den Wert 6, unterbricht die Dunkelheit nach Abwicklung der aktuellen Aktion den Spielzug der Helden und die KI übernimmt das Spiel.

In diesem Fall wird überprüft, ob sich Gegner in Bedrohungsreichweite befinden (siehe unten). Ist dies der Fall wird die Dunkelheit aktiv. Dazu wird eine Karte vom Dunkelheitsdeck gezogen.

Das Dunkelheitsdeck

Für jeden möglichen Boss gibt es ein eigenes Dunkelheitsdeck. Ein Deck besteht aus zehn Karten und wird neu gemischt, wenn es aufgebraucht ist. Im Grundspiel ist das Dunkelheitsdeck des „Schrecken der 1000 Beine“ enthalten.

Alle Dunkelheitskarten haben denselben Aufbau und werden von oben nach unten abgehandelt. Ganz oben steht ein Ereignis, das auf jeden Fall stattfindet, wenn eine darin enthaltene Bedingung zutrifft. Im Deck der Grundbox bestraft das Deck mit den Ereignissen im Allgemeinen zu vorsichtiges und zu aggressives Vorgehen der Helden.

Danach kommt die sogenannte Bedrohungsstrafe. Zur Bedrohung und seiner Bedeutung wird es weiter unten mehr Informationen geben. Die Bedrohungsstrafe straft zu aggressives Vorgehen einzelner Helden. Hat ein Held zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen (Bedrohung = 10/max.), wird die Dunkelheit auf ihn aufmerksam. Die Auswirkungen betreffen aber immer die ganze Gruppe und bleiben für den Rest des Aktes (im Allgemeinen Rest des Spielabends) erhalten.

An dritter Stelle steht auf dieser Karte die Reihenfolge der Aktivierung. Beim Schrecken ist dies: Schergen, Hauptleute, Minibosse und Bosse. In dieser Reihenfolge bewegen sich erst alle Figuren, die auf dem Spielbrett sind und danach greifen sie in derselben Reihenfolge an.

Der letzte Abschnitt der Karte heißt „Ins Spiel bringen“, im englischen auch „Spawn“ genannt. „Ins Spiel bringen“ verweist meist auf die „Ins Spiel bringen“-Angaben auf der Kreaturenkarte. Dort ist die menge vermerkt mit der die Kreaturengruppe Nachschub aus jedem verbleibenden Versteck erhält. Sollte kein Versteck vorhanden sein oder die Helden dieses bereits eliminiert haben, wird auch nichts ins Spiel gebracht.

Nach Abwicklung dieser Karte geht das Spiel wieder in die Hände der Spieler über, die exakt an der Stelle weiterspielen, an der sie von der Dunkelheit unterbrochen wurden.

Die Bedrohungsskala auf dem Heldenbrett

Auch die Bedrohung, die ein Held aufbauen kann ist aus diversen Computerspielen hinlänglich bekannt. Sie erlangt ein Held für jeden Schaden, den er anrichtet, ein Stück mehr Aufmerksamkeit durch die Dunkelheit. Auch Heilung weckt diese Aufmerksamkeit. Dies wird durch die Bedrohungsskala dargestellt, die jeder Held auf seinem Board hat. Diese geht bis 10 und wie der erste Teil schon ausgeführt hat, sollte die 10 wirklich nur im Notfall erreicht werden. Jeder Schadenspunkt erhöht diese Skala um eins. Auf einigen Karten, vor allem auf Heilungen steht ein Wert, der direkt auf die Skala addiert wird, bisher maximal 4 Punkte bei einer Gruppenheilung.

Helden können aber auch Bedrohung reduzieren. Dazu müssen sie sich nur ein wenig zurückhalten. Normalerweise kann ein Held maximal vier seiner Handkarten benutzen und und auf die vier Aktionsfelder seines Heldenbretts legen. Für jedes Feld, das er jedoch frei lässt, reduziert er in der Handkartenphase seine Bedrohung um eins. Also kann ein Held, der in einer Heldenphase keine Aktionskarten spielt, bis zu vier Bedrohung reduzieren.

Neben der Bedrohungsstrafe bei zu hoher Bedrohung (siehe oben), wird die Bedrohung auch noch zur Steuerung der Kreaturen herangezogen.

Die Bedrohungsreichweite auf Kreaturenkarte

Grundsätzlich sind Kreaturen erst einmal inaktiv, das heißt, sie bewegen sich nicht, sie greifen nicht an, addieren in der Auffrischungsphase keine AP und sollte kein Kreaturentyp aktiv sein, wird noch nicht einmal eine Dunkelheitskarte gezogen, wenn die AP-Skala 6 erreicht.

Zu Beginn des Dunkelheitszyklus und nur dann wird überprüft, ob Kreaturen aktiv werden. Auf der Kreaturenkarte steht im Block auf der rechten Seite eine Zahl in einem Kreis. Das ist die Bedrohungsreichweite. Diese Zahl ist die Anzahl Felder innerhalb der sich Kreaturen von unauffälligen Helden bedroht fühlen und aktiv werden. Da Helden aber nicht immer unauffällig sind, wird Ihr jeweiliger Bedrohungswert auf diese Zahl addiert. Also ist der Abstand von einem Held zu einer Kreatur kleiner oder gleich der Bedrohungsreichweite der Kreatur + Bedrohung eines Helden, wird der Kreaturentyp aktiv. Es wird nicht nur diese Kreatur aktiv, sondern, der gesamte Typ, unabhängig vom Standort auf der Karte. Sollte zum Beispiel ein Wühler aktiv werden, werden alle Wühler und alle Schufte aktiv, da sie alle laut Ihrer Karte zum Typ Stämme gehören. Zugehörige Verstecke werden dann gleich mit aktiv.

Es gibt eine Ausnahme zu dieser Regel: Wenn eine Kreatur eines Typs Schaden einstecken muss, dann werden alle Kreaturen dieses Typs sofort aktiv, unabhängig der Bedrohungsreichweite und der aktuellen Spielphase.

Die Prioritäten auf Kreaturenkarte

Das letzte wichtige Mittel, mit der deren Hilfe sich das Spiel steuert ist die Prioritätenliste. Auf jeder Kreaturenkarte steht eine Reihenfolge, nach der sich Kreaturen Ihre Ziele aussuchen. Bei den meisten Kreaturen steht dabei die Bedrohung an erster oder zweiter Stelle. Erreichbare Ziele werden in der Reihenfolge der Prioritäten ausgewählt. Danach bewegt sich die Kreatur zum gewählten Ziel. Danach wird das für die nächste Kreatur vollzogen, usw. Sollte eine Kreatur kein erreichbares Ziel vorfinden, wird nach derselben Prioritätenliste ein Ziel ausgewählt, auf das die Kreatur zulaufen kann. Nachdem alle Bewegungen abgeschlossen sind, für die Kreaturen in der Reihenfolge in der sie sich bewegt haben, Ihre Angriffe durch.

Kreaturen brechen freiwillig keinen Nahkampf, das heißt Nahkampfreichweite ist Ihre oberste Priorität. Sie suchen allerdings nach Ihrer Prioritätenliste aus den verfügbaren benachbarten Zielen das passendste aus. Fernkämpfer brechen zwar nicht den Nahkampf, was die Auswahl der Ziele angeht, versuchen danach trotzdem sie in maximale Angriffsdistanz zu bewegen.

Die Reihenfolge der Aktivierung

Die Reihenfolge, in der die Kreaturen tätig werden, ergibt sich aus zwei Faktoren. Zum einen wird die Reihenfolge der Gruppen durch die Dunkelheitskarte bestimmt. Innerhalb dieser Gruppen wird es durch die Kreaturenkarte bestimmt. Zuerst agieren innerhalb der Vorgabe durch die Dunkelheitskarte alle Kreaturen mit Instinkt, danach alle intelligenten und zuletzt die Untoten. Zusammen mit den Eigenschaften, das Instinkt- und untote Kreaturen ihre Bewegung beenden, sobald sie Ihr Ziel erreicht erreicht haben, intelligente Monster jedoch, falls nötig, weiterlaufen, um Ihren Mitkämpfern Platz zum Nachrücken zu geben, macht die Bewegung der Monster vor allem bei großen und vollen Räumen für die Spieler nur schwer vorhersehbar.

Fazit

Alles in allem ist die KI dieses Brettspiels sehr clever aufgebaut und kann für Spieler, die die Monster beim Aufbau - aus Monstersicht - taktisch klug aufstellen, eine echte Herausforderung sein.



am 30 September 2014
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